Naturferne Waldbewirtschaftung

Von einer wirklich "naturnahen" Waldbewirtschaftung ist das Biosphärenreservat Pfälzerwald in großen Teilen noch weit entfernt.

 

Die Wälder werden das ganze Jahr über mit Durchforstungs- und Pflegehiebmaß-nahmen in großem Stil belastet. Dabei werden die  Zeiten, in denen die Tiere ihren Nachwuchs zur Welt bringen, nicht ausreichend beachtet, so dass die Nistplätze von Vögeln und anderen Baumhöhlenbewohnern und ihrem Nachwuchs gefährdet sind.  Fledermäuse in ihrem Sommerquartier in Baumhöhlen und Rindentaschen sterben bei den massiven Durchforstungen mit Harvestern und schweren Transportfahrzeugen ebenso, wie wandernde Amphibien und Reptilien. Die Schädigung des sensiblen Waldbodens durch Verdichtung und damit der Verlust an Fruchtbarkeit (an verdichteten Stellen wächst kein Wald) ist nicht ausreichend eingegrenzt.

 

Waldflächen und Bergkuppen werden durch die Entnahme von Bäumen oft übermäßig freigestellt und die dadurch aufgerissene Walddecke der Sonneneinstrahlung ausgesetzt. Eine möglicherweise an diesen Stellen beabsichtigte Naturverjüngung findet aufgrund der hohen Wilddichte kaum statt (Verbiss der Jungbäume). Die verbleibenden Bäume weisen in der Folgezeit häufig eine Rindenzerstörung durch "Sonnenbrand" auf und müssen dann gefällt werden. Sensible Feuchtbereiche wie Hangmoore, an denen im Biosphärenreservat Pfälzerwald der geschützte Königsfarn gedeiht, trocknen aus. Die wenigen Standorte des größten europäischen Farnes werden  mit diesen Maßnahmen gefährdet.  Der Waldboden selbst verliert durch die Belichtung Wasserspeicher- und Humusqualität zum Schaden des nachwachsenden Waldes.

 

Damit Abfuhrunternehmen die Lagerplätze von Stammholz finden, werden ihnen die GPS-Koordinaten mitgeteilt, so dass Fuhrunternehmen zu jeder Tages- oder Nachtzeit Holz abtransportieren können. Für den Wildkatzennachwuchs ist diese Methode fatal, da die Kätzin die Holzpolter häufig für ihre Jungen als Ruheplatz nutzt. 

 

Entgegen den Empfehlungen von deutschlandweit anerkannten Wildkatzenexperten werden beim Abtransport von Holzpoltern keine zeitlichen Beschränkungen -  etwa die Zeiten vor und nach den Hauptwurfzeiten der Katzen -  berücksichtigt. All das, obwohl die Wildkatze als Leitart definiert wurde und sowohl durch die  europäische Flora-Fauna-Habitat-richtlinie, als auch durch das Bundesnaturschutzgesetz als Tierart selbst und auch ihr Lebensraum streng geschützt ist.  In der vom Bundesamt für Naturschutz 2009 herausgegebenen "Roten Liste" gilt die Wildkatze (Felis silvestris) als gefährdet.